Die Gründung des Gewerbevereins

Der Gewerbeverein Borna wurde 1860 bereits zum zweiten Male geründet. Der Chronist Robert Wolfram schreibt dazu: „1848 regte die sächsische Regierung die Herstellung von Gewerbevereinen an. In Borna trat ein solcher zwar ins Leben, er zeigte aber wenig Regsamkeit und schlief bald wieder ein“. Die Zeit war noch nicht reif.

Auf Anregung von Schuhmachermeister Wilhelm Herold und Böttchermeister Wilhelm Uhlig, trafen sich weitere 73 selbstständige Bornaer Gewerbetreibende und der dazu geladene Vertreter der Stadt, der Bürgermeister Heinrich, im Schützenhaus um „einen Gewerbeverein ins Leben zu rufen“. Zur Vorbereitung der Wahlversammlung wurde eine Arbeitsgruppe gebildet.

In einer von ca. 200 Interessenten besuchten Versammlung fand die eigentliche Gründung des Vereins statt. Als Gründungsdatum für die späteren Stiftungsfeste galt jedoch stets der 19. November. Die Leitung der Geschäfte fürs erste Vereinsjahr wurde einem, aus 12 Personen bestehenden Ausschuss, übertragen.

Vorstand gewählt am 11. Dezember 1860

Albert ReicheVorsteherBuchdruckereimeister
Wilhelm HeroldStellvertreterSchuhmachermeister
Louis BurckhardtKassiererSeifensiedermeister
Eduard DietrichSekretärCommisionär

Ausschussmitglieder

Louis JacobPosamentierermeister
Michael HillerSchmiedmeister
Wilhelm UhligBöttchermeister
Wilhelm KrauseLeinewebermeister
Louis RehmBäckermeister
Friedrich SchmidtBuchbindermeister
Joseph WeberHutmachermeister
Wilhelm BergerTischlermeister
Ehregott HermsdorfSchneidermeister

Gewerbeverein gründet Vorschussverein

Bereits in der zweiten Versammlung des neuen Gewerbeverein Borna, wurde von Rechtsanwalt Hoffmann die Gründung eines Vorschussvereins vorgeschlagen und von 60 Gewerbetreibenden beschlossen. Dieser Vorschussverein wurde als selbstständiger Verein gegründet, so dass auch Gewerbetreibende die nicht Mitglied im Gewerbeverein waren, diesem beitreten konnten. Der Verein sammelte Geldmittel an, zu dem Zwecke, diese wieder gegen geeignete Zinsen zu verleihen.

Auf der Generalversammlung vom 30. März 1876 ging es neben anderen Tages ordnungspunkten um „die Ermächtigung des Ausschusses“ des Vorschussvereins, diesen auf der Grundlage eines Gesetzes vom 4. Juli 1868 in eine eingetragene Genossenschaft umzuwandeln. Die Finanztätigkeit des Vereins war stets öffentlich die Bilanzen wurden im Wochenblatt sowie im Tageblatt veröffentlicht. Vorsitzende des Vereins waren beispielsweise über viele Jahre August Lehmann und der Referendar Brauße. Louis Herrlich war jahrelang stellvertretender Vorsitzender und Alwin Handwerk jahrzehntelang Kassierer des Vereins. Das Ende des Vorschussvereins konnte bisher noch nicht ermittelt werden.

Die Sonntagsschule des Gewerbevereins

Eine, bereits 1845, errichtete Sonntagsschule bestand, wegen geminderter Teilnahme der Schüler, nur ganz kurze Zeit. In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts war eine Sonntagsschule aber zum dringenden Bedürfnis geworden. Herrmann Gatzsche hatte eine Sonntagsschule gegründet, die der Gewerbeverein 1861 übernahm. Die Stadt kündigte in einem Schreiben vom 31. Mai 1861, von Bürgermeister Heinrich, die Bereitstellung finanzieller Unterstützung an. In verschiedenen Etappen entwickelte sich die Sonntagsschule stetig fort. Mit dem neuen Gewerbegesetz des Deutschen Reiches wurde am 18. April 1875 die Sonntagsschule in eine gewerbliche Fortbildungsschule umgewandelt.

Mit dem 1. April 1923 ging die Gewerbeschule wegen der Auflösung des Gewerbevereins in die Ortsgruppe Borna des Gewerbeverbandes der Amtshauptmannschaft über.

Die Gewerbeschule wurde später völlig verstaatlicht. Sie nannte sich dann Kommunale Berufsschule.

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